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- UntergeschossLiebe Leserin, lieber Leser,
ich hab da einen Denkfehler. Oder vielleicht, wie so oft, nur eine verkehrte Perspektive. Kann sein, dass wir das teilen, deshalb teile ich auch gerne meine Gedanken, die mir zum Monatsspruch August aus dem Johannesevangelium gekommen sind, mit Ihnen. Jesus Christus spricht: Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben, und es in Fülle haben. Joh 10,10
Der Evangelist Johannes gestaltet in diesem zehnten Kapitel so eine Selbsterklärungsrede Jesu, in der es viel um Schafe und gute Hirten geht - mal ist Jesus die Tür zu den Schafen, mal ist er selbst der gute Hirte. Und mittendrin, ganz unscheinbar, dieser Satz: Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben, und es in Fülle haben.
Und was mach ich, ich Schaf? Ich denke stets vom Mangel her: alles wird weniger, Gemeindeglieder, Geld, Gebäude, Gottesdienstbesucher und diejenigen, die Gottesdienste gestalten, musikalisch, liturgisch oder im Mesnerdienst. Ja, ist so.
Aber gleichzeitig eröffnet sich uns ungeahnte Fülle, gerade in der Sommerzeit: Wir feiern, was das Zeug hält, schmeißen all unsere Kräfte zusammen für Kirchweih-, Pfarr- und Gemeindefeste, mit und in der Ökumene, jedenfalls als Christinnen und Christen. Wir gehen raus mit unseren Gottesdiensten, auf den Abenteuerspielplatz und in den Hofgarten. Wir starten einen neuen Konfikurs mit 15 Jugendlichen, denen nichts fehlt, auch, wenn mal Hauptamtliche aussetzen und nicht alle Teamer mit auf Freizeit fahren können. Wir schaffen mit vereinten Kräften die räumlichen Voraussetzungen für ein gemeinsames Pfarramt in der Pfarrei, der wir außerdem noch gemeinsam einen neuen Namen geben wollen. Wir singen selbstverständlich ökumenisch und musizieren auch in der Nachbarschaft.
Denn obwohl wir weniger werden, schöpfen wir gemeinsam Kraft aus der Verheißung, die uns über Gemeinde- und Konfessionsgrenzen hinweg eint: Jesus Christus ist gekommen, damit wir das Leben haben – das Leben bei Gott, das uns durch nichts und niemanden genommen werden kann. Diese Verheißung gilt zunächst mal jedem und jeder einzelnen von uns. Sie entfaltet aber vor allem dann ihre Strahlkraft, wenn wir uns zusammentun und aus der Fülle schöpfen. So kann man das auch sehen, denke ich jetzt.
Prall gefüllte Wochen wünscht
Pfarrerin Julia Conrad