Der Apostelbrief

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„Gerbrunn ist bunt“
Ein gelungenes Wochenende für Alle

Unter perfekten Wetterbedingungen fand am Wochenende 30. Juni/1. Juli 2018 dieses erstmalige Gerbrunner Ortsfest statt. Bei strahlendem Sonnenschein begrüßten Frau Dr. Konrad, Bürgermeister Wolfshörndl und Schuldirektor Schäffer die zahlreich anwesenden Gerbrunner. Mit dem Hinweis auf die auch in Gerbrunn stattfindenden diskriminierenden Äußerungen in sozialen Netzwerken gegenüber „Fremden“ eröffnete der Bürgermeister dieses alle Kirchen, Vereine und Parteien übergreifenden Gemeindefest und wünschte allen Anwesenden ein fröhliches Miteinander aller unabhängig von ihrer Herkunft, Religion oder Hautfarbe für die nächsten zwei Tage. Im Mittelpunkt dieses Nachmittags mit Kaffee und Kuchen standen Veranstaltungen überwiegend für junge Familien. Die Kinderchöre der Schule und der beiden Kindergärten sangen mit Liedern wie „Alle Kinder dieser Erde“ und „Wir sind alle Kinder dieser Welt“ vor begeisterten Gerbrunnern. Zahlreiche Angebote wie sportliche Aktivitäten des TSV Gerbrunn (Völkerball, Zumba), der Kindergärten, des Jugendzentrums und anderer füllten diesen lebendigen Nachmittag. Daneben gab es zwei Spielstraßen, einen Workshop für syrische und ägyptische Küche, kabarettistische Einlagen der GELA, Straßenmusik und schließlich einen anregenden Filmbeitrag zum Thema „Integration“.

Der Abend begann mit einem Buffet mit Kulinarischem aus verschiedenen Ländern.

Gerbrunn ist buntGerbrunn ist bunt
Ernster aber spannend waren die anschließenden Podiumsgespräche zum Thema Flucht, moderiert von Pfarrer Riedel. Sie begannen zunächst mit den Lebensberichten eines aus Togo Gebürtigen und einer in Kasachstan geborenen Mitbürgerin. Beide leben inzwischen seit über 20 Jahren in Gerbrunn. Mutig erzählten beide vor interessiertem Publikum über die Beweggründe ihre Heimat zu verlassen, und wie sie praktisch ins kalte Wasser geworfen in Deutschland ein neues Leben beginnen mussten.

Eindrucksvoll berichteten aber beide auch von Menschen, die ihnen unvoreingenommen, z.B. bei der Bewältigung bürokratischer Hürden, selbstverständlich und unkompliziert zur Seite standen und das Einleben und Ankommen erleichtert haben. Genau das wünschen sie sich auf Nachfrage auch im Umgang mit aktuell neu nach Deutschland und Gerbrunn kommenden Menschen unterschiedlichster Herkunft, Religion etc, nämlich ein offenes und respektvolles, menschliches Aufeinanderzugehen.

Beide betonten auch, dass ihnen ihr Glaube auf ihrem Weg geholfen habe.

Gerbrunn ist buntGerbrunn ist bunt
Frau Dr. Hammerl-Kraus erzählte von ihren Beweggründen, sich für Bootsflüchtlinge im Mittelmeer zu engagieren und ihren Einsätzen im Rahmen der Seenotrettungsorganisation Sea-Watch vor der libyschen Küste.

Schließlich standen zwei Mitarbeiterinnen aus dem Helferkreis Kirchenasyl der Apostelkirche Rede und Antwort und berichteten von ihren als durchweg positiv empfundenen und bereichernden Erfahrungen mit den unterschiedlichen jungen Männern aus verschiedenen Ländern. Den Männern wurde seit 2016 zwischen mehreren Wochen und einigen Monaten in der Apostelkirche Gerbrunn Kirchenasyl gewährt, um ihnen ein Asylverfahren in Deutschland zu ermöglichen und eine Rückführung nach dem Dublinverfahren in ungewisse Zustände zu verhindern.

Abwechslungsreich musikalisch aufgelockert wurde der insgesamt sehr gelungene Abend von Beiträgen der Gerbrunner Chöre.

Um den Gedanken „Gerbrunn ist bunt“ im Hinblick auf wertschätzendes Verhalten gegenüber Menschen anderer Kulturen und anderer Herkunft und gegen Ausgrenzung und Rassismus auch gegenüber anderen Minderheiten z.B. Behinderten festzuhalten, wurde im Vorfeld ein Gerbrunner Manifest erarbeitet, und zum Abschluss des Abendprogrammes erstmalig verlesen. Es hing auch als großes Plakat aus. Viele nutzten die Möglichkeit, durch ihre Unterschrift sichtbar ihre Zustimmung auszudrücken.

Nach diesem bereits sehr gelungenen ersten Tag des „Gerbrunn ist bunt“-Festes war der ausgesprochen gut besuchte ökumenische Gottesdienst am Sonntagvormittag in der katholischen St.-Nikolaus-Kirche ein weiterer Höhepunkt. Inhaltlich stand natürlich auch das Thema eines friedvollen und anerkennenden Miteinanders aller Menschen aus christlicher Perspektive im Mittelpunkt, wie es von Jesus vorgelebt wurde.

Gerbrunn ist buntGerbrunn ist bunt
Ausgestaltet wurde der Gottesdienst mit einem engagierten Anspiel von Jugendlichen der Apostelkirche, einem modernen Psalm und einer gemeinsamen Predigt von Pfarrer Riedel und Pastoralreferent Lamprecht über einen Predigttext aus Jeremia 29, einem Brief an die Weggeführten nach Babel. Nicht zuletzt trug auch die schwungvolle musikalische Ausgestaltung durch die Band zu der guten Atmosphäre bei.

Nach dem Gottesdienst versammelte sich die Gemeinde zusammen mit verschiedenen Vereinen, der Schule und den Kindergärten und weiteren ortsansässigen Gruppen, angeführt vom Spielmannszug Gerbrunn zu einem bunten Festumzug für Toleranz und Weltoffenheit durch Gerbrunn von der alten zur neuen Schule und übertraf dabei mit über 500 Teilnehmern alle Erwartungen

Auf dem Schulhof fand die Abschlusskundgebung und die nochmalige Präsentation des „Gerbrunner Manifests“ durch die drei Bürgermeister Gerbrunns statt. Ein erfolgreiches Ortsfest für ein tolerantes, fremdenfreundliches und buntes Gerbrunn fand so schließlich seinen gelungenen Ausklang.

-SH- und -HS-

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