Der Apostelbrief

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Gut für mich

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Gerade in den Sommerferien ist das Wetter für uns ein wichtiges Thema. Für jede und jeden einzelnen bei der Planung des eigenen Urlaubs, aber auch in den Medien. Ein „Jahrhundertsommer“ hat schon manchen Redakteur über das Sommerloch im Nachrichtengeschäft gerettet. Dabei bewerten die meisten von uns das Wetter nur nach seinem Freizeitnutzen: Blauer Himmel und Wärme bedeutet gutes Wetter, Regen und Kälte nennen wir schlechtes Wetter. Landwirte haben da oft eine ganz andere Meinung. Wenn wir an den Himmel schauen und an unsere Grillparty am Wochenende denken, wünschen die sich vielleicht nichts sehnlicher als eine Woche Landregen, damit ihnen die Ernte nicht vertrocknet.

Im Zeitalter des Supermarkts verlieren wir gelegentlich aus dem Auge, dass unser Überleben davon abhängt, dass Getreide, Obst und Gemüse geerntet werden können. Woher wissen wir, was gut für uns ist? In vielen Fällen ist die Welt viel zu komplex, als dass wir alle Konsequenzen unseres Handelns überblicken könnten. Und so können wir auch nicht absehen, welche Folgen unsere Wünsche haben, wenn sie sich erfüllen.

Aber wie ist das, wenn wir Gott im Gebet um etwas bitten: Heilung einer Krankheit, die Lösung eines Konflikts, den nächsten Karriereschritt oder eine gute Note in der nächsten Klassenarbeit? Der Wunsch ist für uns glasklar, aber was ist mit den Risiken und Nebenwirkungen unserer Bitten? Es kommt immer wieder vor, dass etwas, das man sich sehnsüchtig gewünscht hat, zum Desaster wird, sobald der Wunsch erfüllt ist. Sollte man das Bittgebet also besser bleiben lassen?

In der Nacht, bevor er verhaftet wurde, hat Jesus gebetet. Er wusste, was ihm bevorsteht und er hatte davor Angst. Er wollte nicht sterben und schon gar nicht so – am Kreuz. Und so hat er gebetet: „Vater, lass diesen Kelch an mir vorübergehen.“ Die Erfüllung dieser Bitte wäre für Jesus eine Erlösung gewesen, aber wir würden wohl heute noch auf unsere Erlösung warten.

Aber in Wirklichkeit hat Jesus gebetet: „Vater, ist‘s möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht, wie ich will, sondern wie du willst!“ (Mt 26,39)

Von diesem dramatischen Beispiel können wir auch für unseren Alltag lernen. Wir dürfen Gott um alles bitten, aber wir sollten ihm vertrauen, dass er den Überblick hat, was unter dem Strich die richtige Lösung ist. Auch beim Wetter – egal ob wir Landwirt sind, oder Tourist.

-pv-