Der Apostelbrief

Juni - Juli 2019
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Apr. - Mai 2019
Nr. 134

Geistesgegenwart

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Eine Studie des Forschungszentrums Generationenverträge an der Universität Freiburg, die gemeinsam von EKD und Deutscher Bischofskonferenz in Auftrag gegeben wurde, prognostiziert bis zum Jahr 2060 einen Rückgang der Zahl der Kirchenmitglieder in Deutschland um 49%. Droht also eine „geistliche Rezession“? Wie soll man darauf reagieren? Stellen streichen, Gemeinden zusammenlegen, Kirchen schließen?

In diesem Zusammenhang lohnt sich ein Blick zurück auf die Entstehungszeit der Kirche, die vor allem in der Apostelgeschichte beschrieben wird.

Nach Jesu Tod und Auferstehung blieben die Jüngerinnen und Jünger zunächst unter sich und wirkten kaum nach außen. Nach dem, was sie erlebt hatten, war das auch nur zu verständlich.

Das änderte sich dramatisch an Pfingsten, als die Menschen, die Jesus nachgefolgt waren, vom Geist Gottes erfüllt wurden. Ab diesem Tag war die Gemeinde nach außen wirksam und vergrößerte sich rasant – weniger als zwei Monate nachdem die Menschen in Jerusalem massenhaft „Kreuzige ihn“ gebrüllt hatten. Pfingsten war die Geburtsstunde der Kirche.

Wenn die Kirchen heute in die Krise geraten, dann liegt es sicher nicht an der Botschaft des Evangeliums. Denn dort werden Fragen verhandelt, die vielen Zeitgenossen auf den Nägeln brennen: die Frage nach einer gerechten Gesellschaft, nach einer Lebensweise, die die Schöpfung bewahrt, die Frage nach dem Umgang mit Schuld und Versöhnung, und nicht zuletzt die Frage nach Leiden, Krankheit und Tod.

Liegt es also am Marketing, an den Veranstaltungsformen, der Sprache unserer Verkündigung oder an den Liedern, die wir singen?

Wer Verantwortung in der Kirche trägt, egal auf welcher Ebene, fühlt sich verpflichtet, etwas zu tun, damit in der Kirche „etwas läuft“, damit Menschen kommen und bleiben, um Gott kennen zu lernen und in seiner Gemeinschaft zu leben.

Aber wenn man die Erzählung vom Pfingstwunder in Apostelgeschichte 2 ernst nimmt, dann entsteht Kirche da, wo der Geist Gottes weht.

Es waren nicht die Apostel, die ein sensationelles Konzept für die Evangelisation Jerusalems entwickelt hatten und mit Plakat- und Fernsehwerbung auf ihre Veranstaltungen aufmerksam gemacht hatten. Es war der Heilige Geist, der zuerst die Jüngerinnen und Jünger und danach auch die Zuhörenden ergriffen hat.

Das tut er auch heute noch – wenn und wo wir ihn lassen. Geben wir ihm eine Chance.

-pv-