...in dieser lieben Sommerzeit. - Ich denke, fast jeder kann diesen Zeilenanfang ergänzen. Dieses Lied von Paul Gerhardt ist weit verbreitet und seit fast 400 Jahren im Umlauf. Was macht es so beliebt?
Es hat 15 Strophen, die selten alle gesungen werden, aber es beschreibt so viele alltägliche Erfahrungen, dass es immer wieder im Gottesdienst zum Einsatz kommt. Doch es funktioniert auch umgekehrt: Man sieht ein Weizenfeld und schon fällt einem die 7. Strophe ein, oder man hört eine Lerche und sofort denkt man an das Lied und seine 3. Strophe. Paul Gerhardt war schon ein Könner und August Harder schrieb später die passende Melodie dazu.
Lob der Schöpfung könnte man das Lied auch überschreiben, doch ab Strophe 9 wendet sich die Blickrichtung und geht auf den Menschen und sein Verhältnis zu Gott. Die Vorstellung vom ewigen Leben führt dazu, dass auch für das irdische Leben um Unterstützung gebeten wird und Gott dem Sänger immer nahe bleibt.
Auffallend finde ich, dass wir aufgefordert werden, Freude zu suchen. Sie fällt uns also nicht einfach in den Schoß. Wir müssen Situationen aufsuchen, in denen wir Gottes wunderbare Schöpfung erleben können und sie loben. Daher die vielen Beispiele in den Anfangsstrophen, die Tiere und Pflanzen beschreiben.
Ich muss an meinen Konfirmationsspruch denken: “Habe deine Lust am Herrn, er wird dir geben, was dein Herz sich wünschet.” (Psalm 37,4)
Doch letztendlich ist es Gottes Geist, der uns ein gutes Leben führen lässt. Wer das erkannt hat, kann singen:
“Hilf mir und segne meinen Geist mit Segen, der vom Himmel fließt, daß ich dir stetig blühe; gib, daß der Sommer deiner Gnad in meiner Seele früh und spat viel Glaubensfrüchte ziehe, viel Glaubensfrüchte ziehe.”
Ich wünsche uns allen einen wunderschönen Sommer, mit vielen freudigen Erfahrungen, so dass wir Gott weiterhin loben und preisen können. “Danket dem Herrn; denn er ist freundlich, denn seine Güte währet ewiglich.” (Psalm 136)
Dr. Christiane Konrad, Prädikantin