Der Apostelbrief

Dezember 2019 - Januar 2020
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Okt. - Nov. 2019
Nr. 137

Auf ein Wort:
Hilf meinem Unglauben!

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Liebe Gemeinde,

„Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“- so lautet die Jahreslosung 2020 aus Markus 9,24. Ich vermute, in diesem Motto können sich viele wiederfinden. Wir würden ja gerne glauben. Aber wie soll das gehen, in einer Welt, die von den Naturwissenschaften entzaubert wurde und in der scheinbar kein Platz mehr für Gott geblieben ist?

Wie sollen wir glauben, dass die Kirche eine Zukunft hat, angesichts der hohen Austrittszahlen? Und es sage mir niemand, dass das nichts mit ihm oder ihr machen würde. Wer harrt schon gerne auf einem offensichtlich sinkenden Schiff aus?

Wie soll ich glauben, dass ausgerechnet Jesus etwas Besonderes ist auf dem globalen Markt der religiösen Angebote?

Wie soll ich glauben, angesichts einer schwerwiegenden ärztlichen Diagnose?

Der Vater des seit Geburt schwer kranken Kindes in der Geschichte aus dem Markusevangelium macht sich nichts vor: Sein Glaube hat Grenzen. Ist von Zweifeln umgeben.


Die gute Nachricht lautet: Jesus schickt ihn nicht weg. Sagt nicht: Komm später wieder, wenn du mehr Glauben hast. Es reicht ihm, dass der Vater gekommen ist, mit leeren Händen, aber einer großen Hoffnung. Und großer Liebe zu seinem kranken Kind. Und der ehrlichen Bitte: Hilf meinem Unglauben!

Unter seinen Händen und Worten wird der Junge gesund.

Was ich lerne ist dies: Glaube ist nicht zuerst ein unerschütterliches Fürwahrhalten. Glaube, das sind die leer hingestreckten Hände, ist alles von ihm zu erwarten, dem in Jesus nahen Gott. Und die ehrliche Bitte: Hilf meinem Unglauben! Glaube ist die Fähigkeit, sich beschenken zu lassen.

Zum größten Symbol des Beschenktwerdens durch Gott ist das Kind in der Krippe geworden. Möge die Feier des Weihnachtsfestes ganz viel Zuversicht in uns freisetzen, dass es weiter geht. Dass uns Gott die Hände füllen wird. Dass es ‚immer eine christliche Kirche geben wird, die die Versammlung aller Gläubigen ist‘, wie es in der Augsburgischen Konfession heißt.

Dass ich mit all meinen Zweifeln einmal da ankommen werde, wo alle Fragen zur Ruhe kommen.

In diesem Sinne die besten Segenswünsche für das Jahr 2020!

Ihr Pfr. J. Riedel